
Und bis dahin halte ich dich.
Bis dahin halte ich dich / Ein Gedicht
Du schreist seit Stunden, scheint mir, seit Wochen, weiss ich.
Ich wiege dich, trage dich, ich singe dir Lieder, die ich mir ausdenke, weil mir die richtigen nicht mehr einfallen.
Nicht hilft. Oder alles hilft nur 2 Minuten, dann schreist du wieder.
Ich habe mir das anders vorgestellt, wie ich dich anlächel und du zurück lächelst
Ich würd gern wie andere Mütter mit Baby spazieren gehen und dabei aussehen, als würde ich es geniessen. Stattdessen stehe ich nachts am Fenster, dich auf dem Arm und schaue stundenlang in einen dunklen Garten, in dem niemand ist, der mir sagen könnte, dass das hier auch mal aufhört.
Ich traure um die Babyzeit, die ich nicht bekam, um leichte Nachmittage, die andere habn.
Und um mich selbst, so wie ich vor dir war. So ausgeruht, so geduldig und sicher und trotzdem.
Wenn du endlich einschläfst auf meiner Brust, dein Atem an meinem Hals, dann spüre es noch unter der Erschöpfung, eine Liebe, die so gross ist, dass sie auch die Verzweiflung trägt.
Ich weiss nicht, wann es aufhört, aber ich weiss, dass es aufhört. Andere Kinder haben aufgehört zu schreien, du wirst es auch. Irgendwann werden wir uns beide daran erinnern, wie laut die Wochen waren.
Und bis dahin halte ich dich, nicht weil ich stark bin, sondern weil wir eins sind. Auch in den lauten Nächten.
Sept. 2026 / Frauke Supersaxo
